Unser wildes Berlin

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Beim flüchtigen Blick auf die Beitragsbilder könnte man fast glauben, ich hätte mal wieder einen Abstecher in meine heimischen Gefilde in Wiesbaden unternommen. Schließlich habe ich meine Leser schon auf meine Spaziergänge durch den Winterwald oder zum Bäume-Umarmen an Nebeltagen mitgenommen. Aber nix da, tatsächlich befindet sich diese wunderschöne Auenlandschaft (was für ein herrliches Wort ist das allein!) auf Berliner Stadtgebiet. Also, nicht komplett, denn direkt hier beginnt Brandenburg, aber immerhin 9 km des Tegeler Fließ‘ sind offiziell Hauptstadt-Boden.  Schon die ganze Woche habe ich mich auf die Blogger-Wanderung im Naturschutzgebiet gefreut! Anlässlich der Vorpremiere der Natur-Dokumentation „Unsere Wildnis“ haben die EU-Kommission und der NABU zu diesem besondere Zusammentreffen der bloggenden Zunft eingeladen.Unsere Wildnis 12

Brrrr, Petrus ist mit 3 Grad Außentemperatur leider nicht besonders spendabel! Bei frischer Morgenluft und mit Wollstrumpfhosen unter der Jeans trete ich den Weg in den Norden der Hauptstadt an. Langsam trägt mich die S-Bahn aus dem Trubel des Stadtzentrums, die Bahn leert sich mit jeder Station ein bißchen mehr, draußen dominieren Altbauvillen das Bild. Im beschaulichen Hermsdorf mit seinem Postkarten-Motiv tauglichen Bahnhof findet sich unser kleiner Blogger-Trupp zusammen und mit dem Taxi geht’s in Richtung Moor. Vor Ort erwartet uns NABU-Experte Dr. Hans-Jürgen Storck, der die heimische Flora und Fauna rund um den Eichwerder Steg kennt wie seine Westentasche.

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Und es ist dieser Moment, in dem ich unter den Schuhen nicht mehr Asphalt spüre, sondern federnden Waldboden, den ich so sehr liebe. Augenblicklich fühle ich mich wohl und, im wahrsten Sinne des Wortes, geerdet. Alle Sorgen, Hektik, Großstadtlärm fallen von mir ab und aus den Baumwipfeln werden wir mit einem fröhlichen Specht-Crescendo begrüßt. Und dit is Berlin! Diese Stadt ist eben doch so viel mehr, als man denkt.

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Über der Landschaft liegt eine himmlische Ruhe. Auf der glatten Wasseroberfläche spiegeln sich die Baumwipfel, den Fluss säumen hohe Felder aus Schilf. Manche Zeitgenossen finden die Natur um diese Jahreszeit trostlos, ich finde sie zauberhaft! Die Zeit der inneren Einkehr, des Rückzugs und der Stille gehört zum Leben einfach dazu. Welcher Vogel es ist, der diese ruhigen Momente hin und wieder singend unterbricht, erklärt uns geduldig unser Guide Dr. Storck.

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Ganz verliebt bin ich in die Birken, die hier überall wachsen. Sie sehen fast aus wie in die Landschaft gemalt. Überhaupt darf hier der Wald einfach noch wilder Wald sein –  in den als Fauna-Flora-Habitat-Gebieten ausgewiesenen Schutzgebieten, die alle zusammen das europaweite Netz NATURA 2000 bilden, soll die biologische Vielfalt durch die Sicherung von Lebensraum und Arten, die für die jeweilige Region typisch sind, erhalten werden.

UnsereWildnis5 unserewildnis2

Die Kälte hinterlässt ihre Spuren nicht nur an meinen an der Kamera festgefrorenen Fingern, auch das Moor ist teilweise mit einer dünnen Schicht aus Eis überzogen. Für uns natürlich ein dankbares Fotomotiv!

Unsere

Und auch im Winter hat die Landschaft ihre eigene Farbpalette. Die orange und roten Äste der Weiden zum Beispiel. Inmitten von Schilfrohr und laublosen Bäumen leuchten sie besonders schön!

Weidenzweige

Kätzchen gibt es hier in echt – also, die am Strauch, nicht die, die man zwischen den Ohren krault 😉 Tatsächlich ist das Moor aber Lebensraum von vielen Tieren – neben der bunten Vogelschar, sind auch Otter, Bieber, Ringelnattern und Fasane hier zuhause. Entlang des Stegs können neugierige Besucher auf den angebrachten Schautafeln entdecken, wer sich hier in Gras und Wasser tummelt.

Weidenkätzchen

Eichwerder Steg

Der ganze Vormittag war für mich ein echtes Geschenk! Es tat so gut, mal den Computer abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Auch Julia von Funkelfaden und Silke von Wildes Berlin waren vollkommen begeistert von der Schönheit der Natur, so nahe der Großstadt. Auf dem Heimweg in der S-Bahn tauschen Julia und ich uns darüber aus, was uns im Leben wichtig ist. Dass es eher die kleinen Dinge sind, die zählen. Und die Freiheit, unser Leben so gestalten zu können, wie es uns gut gut. Und das sind eben oft Auszeiten in der Natur, ein Durchatmen und Loslassen. Sie lassen sich nicht vereinbaren mit 9 to 5 Jobs und dem Streben nach der großen Karriere. Aber wir finden, die muss auch gar nicht sein. In der Welt von Eisvogel, Eichelhäer & Co scheint sie mir sehr weit weg, diese laute Welt, dieses „moderne Leben“. Fast ein bißchen künstlich und deshalb bin ich sehr froh, dass es Orte wie diesen gibt, die es zu erhalten gilt. Die so wertvoll sind und uns daran erinnern, dass die Natur, die uns umgibt einer der wertvollsten Schätze ist, die wir haben.

Birkenzweige

Ich freu mich sehr auf die Film-Vorpremiere von „Unsere Wildnis“ kommende Woche mit einigen meiner Hauptstadt-Mädchen. Ich finde es großartig, dass auch in unserer Community viele Frauen sind, denen das Wohl der Natur am Herzen liegt und die ein Auge für ihre schützenswerte Schönheit haben.

 

 

6 Comments

  1. Christine says:

    Das man so viel Natur so nah an einer solchen Großstadt findet hat mich jetzt auch überrascht. Ich wohne direkt an den bayerischen Alpen und habe daher schon ein wenig das Klischee im Kopf, dass man so viel Natur nicht unbedingt in der unmittelbaren Nähe solcher Metropolen findet.

    1. kea kea says:

      Liebe Christine, ich habe auch nicht schlecht geguckt – ich brauche mit der S-Bahn nur eine halbe Stunde zum Bahnhof Hermsdorf, da bin ich ins Herz von Kreuzberg dank der miesen Verbindung länger unterwegs 😀 Bayrische Alpen klingt aber auch traumhaft schön, da beneide ich dich ein wenig 🙂 Liebe Grüße zu dir!

  2. Josie says:

    Oh die Bilder sind wirklich grandios geworden! Ich finde es toll, dass du auch die grünen Seiten Berlins zeigst. Denn viele denken ja – Berlin sei nur Größstadt, Platte, Millionen von Menschen.
    Mir persönlich gefällt Köpenick um den Müggelsee herum ganz toll. Die Kinderspaziergänge im Zühlsdorfer Wald sind mir auch noch tief im Kopf eingebrannt. Ja, Berlin hat schon wirklich schöne Ecken. Die sollte man viel öfter zeigen 🙂

    Liebe Grüße und danke für die tollen Bilder

    1. kea kea says:

      Hallo liebe Josie, Daaanke schön für das Kompliment für die Bilder 🙂 Oh jaaa, die Gegend um den Müggelsee ist wirklich traumhaft schön! Total idyllisch, ich war letzten Sommer dort, weil mein Papa dort als Kind Ferien gemacht hat und ich mir mal anschauen wollte, wovon er da immer schwärmte – zu Recht! Am letzten Samstag bin ich raus an den Wannsee gefahren und habe auch noch die Pfaueninsel in der Havel besucht – freilaufende Pfauen um mich herum – was soll ich sagen, da kann Wiesbaden auch nur bedröppelt aus der Wäsche gucken 😀 Superschön war das! Liebe Grüße!!

  3. Julia says:

    Wunderschöne Bilder! Es war aber auch ein außergewöhnlicher Ausflug. Selten habe ich die Natur bei solch winterlichen Temperaturen als so schön empfunden. Insbesondere das angefrorene Moor hat mich verzaubert!

    Liebe Grüße!

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