Aus meinem Leben Selbstfindung

Unser größter Irrtum über die Liebe

Januar 26, 2017
Liebeskummer

Um diesen Blogartikel bin ich gebeten worden. Nicht von einer Firma, die ihre Sichtbarkeit im Netz erhöhen will, sondern von zwei jungen Frauen, die mich in letzter Zeit in Liebesdingen um Rat gefragt haben. Nach unserem Gespräch waren sie der Meinung, dass diese neue Perspektive auf die Liebe, die sie so noch nie gehört hatten, verbreitet gehört. Dieser Wunsch ist mir gerne Befehl, also schreibe ich heute ein paar Worte über das schönste Gefühl der Welt. Dabei gehört diese Idee nicht mir – aber sie ist, erstaunlicher Weise, nicht sehr bekannt. Vielleicht, weil man in Hollywood damit keine so packenden Geschichten erzählen kann. In der Hoffnung, dass diese Gedanken irgendwem irgendwo irgendwann gut tun, veröffentliche ich sie heute auf meinem Blog. Weil ich sehr gut weiß, was Liebeskummer für ein schmerzendes Gefühl sein kann. Und das beste Gegenmittel, das ich kenne, teile ich gerne mit euch.

Mit 12 Jahren schrieb ich, anlässlich eines Ferientrips auf einen Bauernhof, in mein Tagebuch: „Gestern sind wir angekommen. Habe eine neue Freundin, sie heißt Viola. Außerdem bin ich in Alex verliebt. Viola ist auch in ihn verliebt. Das werden bestimmt supertolle Ferien!“  Ich musste schmunzeln, als ich diesen Eintrag neulich wieder entdeckte. So unbekümmert las ich mich. Seien wir ehrlich – spult man mal zehn Jahre voraus, dann hätte die Geschichte „meine Freundin und ich sind in den gleichen Mann verliebt“ einen anderen Ausgang genommen. 
Aber in jenen Sommerferien waren Viola und ich, so viel konnte ich den folgenden Seiten entnehmen, vollauf damit beschäftigt, möglichst kunstvolle und kreative Liebesbotschaften in unsere Tagebücher zu malen, wobei wir uns nicht im mindesten daran störten, dass es sich bei unserem jeweiligen Objekt der Zuneigung um ein und dieselbe Person handelte. Im Gegenteil, wir bewunderten ehrlich und aus tiefstem, offenem Herzen jede Idee der anderen und all die wunderbaren Kombinationsmöglichkeiten der Anfangsbuchstaben zweier Vornamen. Wir waren hochzufrieden mit uns. 

Denn wir erfreuten uns einfach an der Liebe. 

Schade, dass wir als Erwachsene bald lernen, die Liebe nicht mehr als etwas Gebendes zu sehen, sondern als etwas, das wir bekommen, ergo festhalten müssen. Als etwas, das es zu beschützen, zu bewahren, zu verteidigen gilt. Das wir hinter Glas sperren, uns um den Finger schmieden lassen und mit Vorhängeschlössern an Brückengeländer hängen. Als etwas, das mit der anderen Person in unser Leben kommt, wie ein Licht, das wieder verlöscht, wenn der andere uns verlassen sollte. Dabei verlernen wir etwas, das wir als Kind offenbar noch wussten: 

Die Liebe öffnet uns das Fenster zur Freude an uns selbst. 

Sie hat viel weniger mit dem Objekt unserer Liebe zu tun, als Romeo und Julia uns glauben machen lassen wollten. Ich glaube, dass die moderne Menschheit an einem Irrtum über die Liebe krankt. Einem, dem ich auch aufgesessen bin, die meiste Zeit zwischen 14 und 26. Eine ziemlich qualvolle Zeit. Wiederholt verliebt, wiederholt verlassen und schon in dem Moment, in dem mir mein neuer Partner seine Liebe gestand, schauderte mir schon vor einem möglichen Ende. Selbst den eitelsten Beziehungssonnenschein konnte ich nie genießen – gerade dann erschien mir das Glück so fragil. Als läge es in den Händen meines Partners und damit außerhalb meines eigenen Einflussbereichs.

Aufgewacht aus diesem kräftezehrenden Traum bin ich durch ein Hörbuch von Autorin und Lehrerin Byron Katie. Darin beschreibt sie ein Missverständnis, das wir über die Liebe seit vielen vielen Jahrzehnten pflegen: Wenn ein Mensch in unser Leben tritt, in den wir uns verlieben, glauben wir, er oder sie hätte die Schmetterlinge mitgebracht.

Wir glauben, das gute Gefühl des Verliebtseins komme von unserem Gegenüber, dass er es quasi in uns auslöst. Ist er nicht da, ist auch das Gefühl nicht da.

Das ist aber nur zum Teil richtig. Byron Katie schenkte mir einen neuen Gedanken, der mich unter meinem damals vom Liebeskummer getränkten Kissen hervorholte. Ich würde ihn mit meinen eigenen Worten ungefähr so beschreiben:

Wenn wir uns verlieben, erinnern wir uns lediglich daran, wie großartig, wie göttlich wir sind. Der andere ist nur ein Spiegel – er bringt ein Gefühl in uns zum Vorschein, das vorher schon da war und auch nachher wieder da sein wird. Wir vergessen es dann nur wieder. Aber eigentlich sind wir immer auch in unsere eigene Herrlichkeit verliebt, wenn wir verliebt sind – wir sind im Kontakt mir unserer Essenz. Deshalb strahlen wir dann wie bekloppt, haben Kraft und Energie, fühlen uns geliebt, wertvoll, unantastbar: All das sind wir. Eigentlich. Immer. Das Objekt unserer Liebe ist nur ein reminder. Ein reminder an unseren Urzustand, daran, dass wir selbst Liebe sind. Wir sind gar nicht ver-liebt, wir sind Liebe. 

Und unser Gegenüber spiegelt unsere eigene Fabelhaftigkeit, so dass wir sie mit einem Mal wieder erkennen.

Macht auch Sinn, oder? Schließlich haben die meisten von uns die Erfahrung gemacht, dass sie sich mehrfach in ihrem Leben verliebt haben, in ganz verschiedene Menschen. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: rosiger Teint, leuchtende Augen, klopfendes Herz. Wir können uns eben in vielen Menschen wiedererkennen, da gibt es keine Limitierung.

Für mich, damals in der akuten Phase des Herzeleids, war das eine echte Offenbarung. Denn es gab mir Handlungsspielraum zurück: Was sonst kann diese Gefühle noch in mir auslösen? Wobei fühle ich mich noch großartig? 

Wann bin ich verliebt in mich?

Ich kenne dieses Flummi-Gefühl im Bauch zum Beispiel vom Dichten, vom Schreiben von Liedern und vom Tanzen. Von besonderen Momenten in der Natur, mit meinen Katzen, von der Freude, die ein herzliches Zusammenlachen mit eigentlich fremden Menschen auf der Straße auslöst. Jetzt, wo mein Bewusstsein offen dafür war, das Gefühl auch an anderer Stelle zu entdecken, gewissermaßen noch andere Spiegel zu finden für mein eigenes Licht, gewann ich zum ersten Mal eine echte Souveränität und Selbstliebe.

Ich brauchte keine Partnerschaft, um in Liebe zu sein – ich konnte mir das Gefühl selbst schenken, durch die Aktivitäten, die ich wählte. Das bedeutet nicht, dass ich aufhörte, Beziehungen einzugehen. Aber es nahm der quälenden Angst vor dem Verlassenwerden ihren Stachel. Nie wieder bin ich nach Trennungen oder in schwierigen Momenten in meinen Partnerschaften danach wieder so tief abgestürzt, wie in meinen frühen Zwanzigern. Das Bewusstsein, dass verliebt sein nur bedeutet, mich in anderen Menschen selbst zu erkennen, hat mir Kraft und Ruhe gegeben. 

Es gibt noch genug andere Dinge, die mich straucheln lassen 😉 Aber Männer können mein Gefühlsbarometer nicht mehr so extrem in die Tiefe ausschlagen lassen, wie früher.

In diesem Sinne: Wenn du gerade Angst in deinem Herzen spürst und das Gefühl hast, dich an den anderen klammern zu müssen, erinnere dich:

 Es gibt nichts, was du festhalten musst – denn du hast schon alles. Es ist bereits in dir. Der andere schenkt dir nur eine Brille, durch die du sehen kannst, wie wunderbar du bist!

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24 Comments

  • Reply Nadine - breukesselchen Januar 26, 2017 at 2:17 pm

    Hach, wie schön, seufz, die Liebe, die Liebe und du, meine Liebe <3
    Eine wunderschöne Erkenntnis, die mir gestern schon in deinem Instagram so gut gefallen hat.
    So schön umschrieben, habe ich das Gefühl der Selbstliebe lange nicht gelesen. Dabei ist die Selbstliebe das A und O. Sie basiert auf unsere Fähigkeit zu lieben und besonders die Liebe in uns selbst zu sehen. Uns so zu akzeptieren wie wir sind. Es fällt nie leicht am Anfang und ich bin selbst darin noch sehr ungeübt, obgleich ich behaupten würde, ein Mensch zu sein, der viel Liebe in sich spürt und sich daraus auch die Kraft zieht. Ob nun in meiner Partnerschaft, meinen Vöglein draußen in der Natur oder meinen Plüschies (tja, die müssen da einfach herhalten, wenn man keine Haustiere hat :D). Doch eins weiß ich nun hier durch deine Zeilen, sie ist immer da und immer schon in mir gewesen. Und ja, ich glaube auch nun das Gefühl der Liebe zu verstehen, dass man manchmal heimlich ggü. jemanden hatte, obgleich klar war, das die Person unerreichbar ist. Denn die Schmetterlinge wohnen in uns und freuen sich immer wieder, wenn ein Moment kommt, in dem wir sie freilassen und flattern lassen.
    Du bist ein besonderer Glücksmagnet, meine Liebe <3
    So schön, dass es dich und deine Liebe gibt, die du uns in Worten so wunderschön servierst. DANKE <3
    Ich glaube fest an dich und dass dieses Jahr viele Wunder für dich bereitet. Deine Nadine <3

    • kea
      Reply kea Januar 26, 2017 at 2:23 pm

      Liebe Nadine, Danke für deinen, mal wieder von oben bis unten vor lauter Liebe sprühenden, Kommentar ♥♥♥ Da hat sich mitten in deinem Kommi ein sooo wichtiges Wort eingeschlichen: ungeübt. Wir sind lediglich ungeübt darin, uns selbst so zu sehen, wie wir uns durch die Augen eines Menschen sehen, der sich in uns verliebt hat. Das Gute daran ist, wir können das üben, üben und nochmals üben 🙂 Das mit den Schmetterlingen hast du soo schön gesagt, genau so ist es gemeint. Die warten in unserem Bauch darauf, dass wir sie fliegen lassen. Fühl dich umarmt, meine Liebe, Danke für deine Unterstützung und dein Sein! Alles Liebe & nur das Beste für dich! Kea

  • Reply Rebecca Januar 26, 2017 at 2:20 pm

    Ganz, ganz toll! <3

    • kea
      Reply kea Januar 26, 2017 at 2:23 pm

      Merci, cherie! ♥

  • Reply Minza will Sommer Januar 26, 2017 at 4:04 pm

    Wunderbar sind Deine Worte und die Bilder die Du schreibst. Ich dachte beim Lesen an mein liebstes Mantra „es ist (schon) gut“. Wir leben von dem was in uns ist, anderes kommt, bleibt, geht, … geht weiter im eigenen Tempo, frei in der Bewertung, immer genug und immerda mit mir.

    Danke für die Erinnerung, liebe Kea!

    • kea
      Reply kea Januar 26, 2017 at 8:07 pm

      Hallo liebe Maren! Wie schön, dass du vorbeischaust und dein schönes Mantra in die Kommentare streust! Ich kann beim Lesen deiner Zeilen richtig friedlich und tief durchatmen – ich freue mich sehr, dass dieser Artikel dich mit diesem Wissen wieder mehr in Verbindung bringen konnte! Fühl dich ganz lieb umärmelt! Kea

  • Reply Susanne ZSchaubitz Januar 26, 2017 at 4:45 pm

    Ganz wunderbar und es erinnerte mich ganz schnell an eines der Lieder, die mir in den jungen 80ern den ersten Anstoss für dieses Denken gab:
    Whitney Houston – ja man mag es nicht meinen – aber hier die Zeilen aus den Lyrics von „the greatest love of all“

    People need someone to look up to
    I never found anyone
    Who fulfilled my needs
    A lonely place to be
    And so I learned to depend on me.
    I decided long ago
    Never to walk in anyone’s shadow
    If I fail, if I succeed
    At least I lived as I believe
    No matter what they take from me
    They can’t take away my dignity

    Because the greatest love of all
    Is happening to me

    I found the greatest love of all
    Inside of me

    The greatest love of all
    Is easy to achieve
    Learning to love yourself

    It is the greatest love of all

    • kea
      Reply kea Januar 26, 2017 at 8:10 pm

      Tatsächlich!! Ich bin begeistert, ich habe Whitney zwar immer begeistert gelauscht, aber diese Kernaussage ist mir dann doch irgendwie durchgerutscht – I found the greatest love of all inside of me: Wunderschön! Auch die Texte von „step by step“ und „i look to you“ sind ganz großartig! Jetzt weiß ich, was ich heute Abend mal wieder durch die Boxen strömen lasse, vielen Dank für diese musikalische Inspiration 🙂 Herzliche Grüße!

  • Reply Christa Januar 27, 2017 at 1:49 am

    Sehr schöner Artikel! Ich kann dir nur Recht geben mit dem was du schreibst. Mir fällt noch dazu ein: Jeder ist seines Glück Schmied.

    • kea
      Reply kea Januar 27, 2017 at 12:04 pm

      Vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar, Christa 🙂 Das Glück ist wirklich in uns selbst zu Hause!

  • Reply Claudia Januar 27, 2017 at 8:35 am

    Gebe der Christa über mir recht, man ist selbst für sein Glück verantwortlich und sollte es von keiner anderen Person abhängig machen. Eine Beziehung funktioniert nur richtig, wenn beide mit sich selbst zufrieden und glücklich sind. : )

    • kea
      Reply kea Januar 27, 2017 at 12:05 pm

      Dem kann ich nur beipflichten, Claudia 🙂 Oder, anders gesagt: Die wichtigste Beziehung ist die, die wir zu uns selbst haben und pflegen 🙂

  • Reply Ina Januar 27, 2017 at 9:41 am

    Oh gott was für ein schöner wahrer Text und ich heute gleich los…
    Ich kann garnicht mehr sagen als: danke danke danke

    • kea
      Reply kea Januar 27, 2017 at 12:06 pm

      Ohh, liebe Ina, was für eine schöne Rückmeldung – ich hoffe, es waren heilsame Tränen! Fühl dich umarmt!

  • Reply Antonia Januar 27, 2017 at 8:30 pm

    Wunderschoener Text Kea. Hat Glueckspotenzial 🙂

    • kea
      Reply kea Januar 29, 2017 at 8:57 am

      Das hast du aber schön gesagt <3 Danke! Ein besseres Prädikat kann ein Text ja gar nicht bekommen!

  • Reply Julika - 45 lebensfrohe Quadratmeter Januar 28, 2017 at 9:01 pm

    Ich könnte Dich knutschen für diesen Text.
    Und Du hast so recht damit!
    : )

    • kea
      Reply kea Januar 29, 2017 at 8:58 am

      Thihihi, Danke dir, meine Liebe! Ich freu mich sehr ♥♥♥

  • Reply Jenni Januar 30, 2017 at 7:10 am

    Liebe Kea!
    Eine wunderbar erfrischende Perspektive auf die Liebe und letzten Endes auf uns selbst! Ich danke dir ganz herzlich für diesen wunderbaren Artikel, der auch mich wieder zum Reflektieren eingeladen hat.
    Die These kannte ich zwar bereits – aber man vergisst solche guten Dinge irgendwie viel zu schnell wieder bzw. legt sie ab in der hintersten Alltags-Philosophen-Schublade, wo doch gerade sie so wichtig sind!

    Ich glaube, mit mir und der Liebe hat das auch erst funktioniert, als ich begriffen habe, dass das alles auch ein Annehmen von mir selbst bedeutet. Viel zu lange und zu oft lebt man sonst in dem Zweifel, was zum Teufel der Andere eigentlich so gut an einem findet, wo man doch selbst wenig Positives ausmachen kann.
    Ich glaube, es ist ein bisschen wie mit dem Glück im Generellen: Erst, wenn ich für mich gelernt habe, glücklich zu sein, kann ich effektiv anderen Menschen helfen, dassselbe zu erreichen. Und vielleicht kann ich auch erst richtig lieben, wenn ich gelernt habe, mich selbst zu lieben.

    Ich wünsche dir einen inspirierten Wochenstart!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • kea
      Reply kea Januar 30, 2017 at 8:18 am

      Hallo liebe Jenni! Wie schön, dass dich der Artikel an eine Wahrheit erinnern konnte, die schon in dir geschlummert hat ♥. Ja, es stimmt, die Selbstliebe ist mit Sicherheit Schlüssel und Basis für alle weiteren Beziehungen, die wir führen. Schließlich können wir Liebe, Komplimente und Zuneigung nur dann annehmen, wenn wir tief im Inneren auch glauben, sie verdient zu haben. In diesem Sinne wünsche ich dir weiterhin viel Liebe und Erfüllung in allen deinen Beziehungen und natürlich auch und vor allem in der mit dir selbst 🙂 Fühl dich umarmt! Kea

  • Reply Achtsame Blogschau im Februar – einfach nur sein Februar 7, 2017 at 12:01 pm

    […] Eine neue Perspektive auf die Liebe wirft HELLO MRS EVE. […]

  • Reply Anni März 21, 2017 at 11:18 am

    Ein toller Gedanke und wunderschön geschrieben! <3
    Und es hat mich an meinen eigenen Urlaub mit 13 erinnert… Auf einer Jugendfreizeit habe ich mich mit einem Mädchen angefreundet, weil wir beide den gleichen Jungen toll fanden. Einer meiner tollsten Urlaube überhaupt.. Jeden Abend saßen wir auf der Schaukel unter den Bäumen und träumten gemeinsam von ihm. 🙂

    • kea
      Reply kea März 23, 2017 at 7:36 am

      Liebe Anni, wie schön! Ich kann euch vor meinem inneren Auge da sitzen sehen, vereint im wunderbaren Schwärmen! So selbstlos versunken, so friedlich! Liebe Grüße an dich!

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