Aus meinem Leben Natur-Erlebnisse Selbstfindung

Nebeltage

Januar 10, 2016

Vom Nebel kann man etwas fürs Leben lernen. Kennt ihr das, wenn dicke Nebelsuppe über den Bergen steht und man nichts von den Gipfeln sehen kann? Aber sobald man sich aufmacht, Schritt für Schritt, lichtet sich der Weg, während man weitergeht. Und auch wenn man dachte, dass man oben keine drei Meter Sicht hat, sobald man dort ankommt, kann man wieder etwas weiter sehen. Mehr als die nächsten paar Schritte brauchen wir vielleicht manchmal gar nicht zu wissen. In den Zeiten, in denen uns alles ein bißchen zu viel vorkommt, wir nicht wissen, wohin wir als nächstes gehen sollen. Wir werden nicht steckenbleiben, wir müssen einfach im Fluß bleiben, ein Schritt nach dem anderen. Darauf vertrauen, dass wir immer wenige Meter weit sehen können und darauf, dass das an manchen Tagen genug ist.IMG_8539

So wie bei mir auf diesem Ausflug in den Nebelwald: Ich hatte meinen Mann morgens dank einiger Überredungskunst aus Bett und Haus gescheucht und gemeinsam sind wir in den um diese Uhrzeit sonntäglich ruhigen Taunus gefahren. Der Jahresanfang mit seinem enormen Tempo und all den anstehenden Veränderungen hatte mich ziemlich überrollt. Meine Arbeit, meine Studienpläne, der Umzug, mein ohnehin recht atemloses Leben zwischen Berlin und Wiesbaden, all das hatte sich zu einem Knäul in Kopf und Bauch verheddert. Kann ich das alles wuppen? Übernehme und verzettele ich mich vielleicht mit meinen vielen Baustellen? In dem stillen Wald kam ich wunderbar zur Ruhe. Während nasses Laub und tiefhängende Wolken an uns vorbeizogen, breiteten sich in mir Entspannung und Frieden aus. Hier draußen drehen sich die Uhren sehr viel langsamer, alles hat seine Zeit. Und der Nebel und seine Lektion machten mich gelassener.

wald nebel3

Diese kleinen Auszeiten sind so so wichtig! Ihr wisst, ich liebe Berlin mit aufrichtiger Zärtlichkeit, aber ich glaube, ich kann es auch nur mit dieser Hingabe tun, weil unser Leben in Wiesbaden mir immer wieder ermöglicht, ein Gegengewicht zur Großstadthektik zu finden. Offenbar komme ich nach meinem Großvater, der Zeit seines Lebens betonte, dass er einen Wald in erreichbarer Nähe haben muss, um glücklich und zufrieden zu sein. Und Großväter und Wälder scheinen ein ganz besonderen Bezug zueinander zu haben, denn das schöne Phänomen von Nebelschwaden zwischen den Hügelketten nannte der Opa von meinem Mann “ Die Hirsche kochen Kaffee“. Heute scheinen sie besonders viel Kaffedurst gehabt zu haben!Entspannung, Auszeit

Und solltest du dich irgendwann komplett verloren fühlen, entwurzelt und verunsichert, dann kommt hier mein Notfall-Tip: Mach dich auf in den Wald und suche dir einen richtig stabilen Baum. Arme drum. Einatmen, ausatmen. Sich geborgen fühlen, sich einfach mal anlehnen. So lange, wie du magst. Aber mindestens so lange, bis du lächelst 🙂

Wald Natur Auszeit

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8 Comments

  • Reply Nadine - breukesselchen Januar 10, 2016 at 3:33 pm

    Oh, was für ein schöner Post, liebe Kea! Und die Aktion mit dem Baum hat mich gleich an einen Podcast erinnert, den ich gerade vor kurzem gehört hatte. Denn Bäume strahlen eine besondere Ruhe aus und könnten so viel erzählen, besonders die Alten. Es heisst, setzt man sich an einem gestressten Tag unter einen alten Baum und horcht dem Blätterrauschen, dann weiss man, der Baum hat so vieles durchgemacht und steht immer noch. Also werde ich meine Probleme auch lösen. 🙂
    Schön, nicht? Leider sind wir heute drinnen geblieben und gerade startet der Schneeregen draussen. Aber deine frühe Waldaktion finde ich klasse und werde mir die Tage vornehmen, auch wieder mehr Fotos draussen zu machen. Danke für die schöne Inspiration! Alles Liebe, Nadine

  • kea
    Reply kea Januar 10, 2016 at 4:53 pm

    Liebe Nadine, oh ja, Bäume haben so viel erlebt und gesehen, harte Winter, sengende Sommerhitze, und immer noch stehen sie da und strecken ihr Blattwerk in den Himmel. Das hat wirklich etwas ungemein tröstliches! Sehr gerne, ich freue mich auf Bilder von dir! Fühl dich gedrückt und komm gut in deine Woche 🙂

  • Reply Jessika Fichtel Januar 10, 2016 at 6:53 pm

    Hey Kea 🙂

    Toller Post, tolle Bilder! Das zeigt mal wieder, dass jedes Wetter seinen Reiz hat. Es kommt einfach darauf an, was man daraus macht 🙂

    Vielleicht hast du ja Lust, dir mal diesen recht ähnlichen Blogpost von mir auf meinem Zweitblog Feels like Erfurt anzusehen: http://feels-like-erfurt.de/herbst-im-steigerwald/ 😉

    Viele liebe Grüße,
    Jessika

    • kea
      Reply kea Januar 11, 2016 at 9:26 am

      Hallo liebe Jessika, jaaa, total, das denke ich auch immer wieder, wenn Menschen über Regen, Wind oder Nebel jammern. Ich finde, jedes Wetter und jede Jahreszeit hat ihren ganz eigenen Zauber. Euer Waldspaziergang sieht ja auch zauberhaft aus! Goldenes Herbstlich ist auch einfach wunderschön! Liebe Grüße! Kea

  • Reply Josie Januar 10, 2016 at 8:51 pm

    Die Bilder sind wirklich wahnsinnig schön geworden.
    Ich liebe den Wald und ich liebe Nebel (sofern ich nicht gerade mit dem Auto hindurch fahren muss) Die Kombi aus beidem ist geradezu perfekt. Es hat etwas mystisches. Irgendwie.
    Die Idee mit dem Baum und zur Ruhe kommen finde ich klasse. Das werde ich beim nächsten mal machen, sobald mir alles über den Kopf steigt 🙂

    Liebste Grüße,
    Josie

    • kea
      Reply kea Januar 11, 2016 at 9:28 am

      Hallo liebe Josie, ich stimme dir zu, neblige Wälder haben absolut etwas mystisches. Ich muss dann irgendwie immer an früher denken, als es noch gar keine Straßen gab und man seine Tagesstrecke noch zu Pferd hinter sich gebracht hat. Manchmal würde ich am Liebsten einfach den ganzen Tag durch den Wald streifen – aber dafür müsste ich wohl Försterin werden *grins* Schön, dass dir die Baumumarmungsidee gefällt, ich kann sie wirklich nur empfehlen 🙂 Liebe Grüße!

  • Reply Ruhrstyle Januar 13, 2016 at 9:19 am

    Da hast du mit deinen Bildern eine ganz besondere Romantik und Stimmung eingefangen liebe Kea. Der Wald ist in der Tat ein Kraftspender für die Seele. Jedes Mal, wenn wir uns von der Stadt entfernen und der Wald sichtbar wird macht mein Herz einen gewaltigen Sprung und unweigerlich muss ich grinsen wie ein Honigkuchenpferd.

    viele liebe Grüße
    Rebecca

    • kea
      Reply kea Januar 13, 2016 at 3:00 pm

      Wie wunderbar, dass mir das gelungen ist! Ich wollte so gern ein Stückchen von dieser besonderen Atmosphäre für euch einsammeln 🙂 Wälder sind wirklich eine großartige Kraftquelle, die wir so oft aufsuchen sollten, wie es geht. Genauso wie das Meer, das ich viiiiel zu lange nicht mehr gesehen habe – aber wenn ich wieder mal da bin, lasse ich es euch mit Sicherheit wissen. Und wer weiß, vielleicht flanieren wir irgendwann mal gemeinsam über weichen Waldboden? Mal schweigend, mal plaudernd, mal lachend – ich kann mir das bestens vorstellen!

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